6-GHz-WLAN einfach erklärt: Warum jeder Raum einen eigenen Access Point braucht
Seit einigen Jahren gibt es für WLAN einen neuen, sehr schnellen Frequenzbereich: 6 GHz. Er macht Videotelefonie, Streaming und Arbeiten im Homeoffice spürbar schneller und stabiler. Er hat aber eine Eigenschaft, die man kennen muss, bevor man ein Haus plant: 6-GHz-WLAN kommt kaum durch Wände. Wer es im ganzen Haus nutzen will, braucht deshalb in jedem Raum einen eigenen Access Point.
Das Wichtigste in Kürze
- 6 GHz ist ein zusätzlicher WLAN-Frequenzbereich mit viel Platz und kaum Störungen. Nutzen können ihn Geräte mit WiFi 6E und WiFi 7.
- 6 GHz wird von Wänden stark gedämpft und darf in Europa nur mit geringer Leistung in Innenräumen funken. Hinter der nächsten Wand ist das Signal meist schon schwach.
- Die Lösung ist ein per Kabel angebundener Access Point in jedem häufig genutzten Raum. Als Wandgeräte lassen sie sich bündig einbauen und in Wandfarbe überstreichen.
Was ist 6-GHz-WLAN?
WLAN funkt auf bestimmten Frequenzbereichen, ähnlich wie Radiosender auf bestimmten Frequenzen senden. Lange gab es dafür nur zwei Bereiche: 2,4 GHz und 5 GHz. Seit 2021 ist in Deutschland ein dritter Bereich für WLAN freigegeben: 6 GHz. Nutzen können ihn Geräte mit den Standards WiFi 6E und WiFi 7, also aktuelle Smartphones, Laptops und Tablets.
Man kann sich die drei Bereiche wie Straßen vorstellen:
- 2,4 GHz ist eine schmale Landstraße, auf der alle unterwegs sind: alte Geräte, Nachbar-WLANs, Bluetooth, sogar die Mikrowelle. Es kommt überall hin, aber es staut sich.
- 5 GHz ist eine gut ausgebaute Bundesstraße: deutlich schneller, aber in dicht bebauten Gegenden ebenfalls voll.
- 6 GHz ist eine neue, breite Autobahn, die fast niemand nutzt. Viel Platz, hohe Geschwindigkeit, kaum Störungen.
Für die Bewohner bedeutet das: Videokonferenzen ohne Ruckeln, Filme in hoher Auflösung, schnelle Datenübertragung und eine stabile Verbindung, auch wenn viele Geräte gleichzeitig im Netz sind.
Der Haken: 6 GHz kommt kaum durch Wände
Dafür gibt es zwei Gründe, die zusammenwirken.
Grund 1: Die Physik
Je höher die Frequenz, desto stärker wird ein Funksignal von Wänden, Decken und Möbeln geschluckt. Das kennt jeder von einer Party beim Nachbarn: Durch die Wand hört man den Bass, also die tiefen Töne, aber kaum die hohen. Beim WLAN ist 2,4 GHz der Bass und 6 GHz der hohe Ton. Er ist klar und schnell, aber hinter der Wand ist er kaum noch zu hören.
Grund 2: Die Regeln
In Europa darf 6-GHz-WLAN nur mit geringer Sendeleistung funken, höchstens 200 Milliwatt, und Access Points dürfen dieses Band nur in Innenräumen nutzen. Bildlich gesprochen: Der hohe Ton darf nur in Zimmerlautstärke gesungen werden.
Leise und leicht zu schlucken: Zusammen führt das dazu, dass das 6-GHz-Signal eines Access Points meist schon im Nebenraum schwach ist. In hochwertigen Häusern mit massiven Wänden, Stahlbetondecken, Fußbodenheizung und Wärmeschutzverglasung gilt das umso mehr.
1 Wand1 Wand
2 Wände2 Wände
Die Lösung: ein Access Point pro Raum
Wenn das Signal nicht durch die Wand kommt, muss es im Raum entstehen. Deshalb bekommt jeder häufig genutzte Raum seinen eigenen Access Point, der per Netzwerkkabel mit dem Netzwerkschrank verbunden ist. Das hat mehrere Vorteile:
- Volle Geschwindigkeit überall: Ihr Gerät ist immer nah an einem Access Point und bekommt die volle 6-GHz-Leistung.
- Die Wand wird zum Vorteil: Weil das Signal nicht durch die Wand geht, stören sich die Access Points der einzelnen Räume nicht gegenseitig. Jeder Raum hat seine eigene, freie Funkzelle.
- Kein Leistungsverlust: Anders als Repeater oder Mesh-Systeme, die das Signal per Funk weiterreichen und dabei Geschwindigkeit verlieren, ist jeder Access Point über Kabel angebunden.
- Nahtloser Wechsel: Gehen Sie mit dem Smartphone durchs Haus, wechselt es unterbrechungsfrei zum Access Point im nächsten Raum.
Die Access Points funken gleichzeitig auch auf 2,4 und 5 GHz. Ältere Geräte, die 6 GHz noch nicht beherrschen, werden also weiterhin bestens versorgt.
Welche Räume brauchen einen Access Point?
| Bereich | Empfehlung |
|---|---|
| Wohn-, Ess- und Küchenbereich | Ein Access Point, bei großen offenen Bereichen auch zwei |
| Schlaf-, Kinder- und Gästezimmer | Je ein Access Point |
| Arbeitszimmer | Ein Access Point, zusätzlich Netzwerkdosen für den Schreibtisch |
| Garage | Ein Access Point, etwa für Software-Updates des Autos und die Wallbox |
| Terrasse, Garten, Pool | Wetterfester Außen-Access-Point mit 5 GHz, denn 6 GHz ist im Freien für Access Points nicht zugelassen |
| Flure, Abstellräume, Hauswirtschaft | Meist nicht nötig, sie werden von den Nachbarräumen über 2,4 und 5 GHz mitversorgt |
Unsichtbar: Access Points für die Wand, zum Überstreichen
Ein Access Point pro Raum klingt nach vielen Geräten an der Decke. Das muss nicht sein. Es gibt Access Points speziell für die Wandmontage, die kaum größer sind als ein Lichtschalter-Tableau. Mit einem passenden Einbaurahmen sitzen sie nahezu bündig in der Wand. Abdeckung und Rahmen lassen sich in der Wandfarbe überstreichen, sodass der Access Point praktisch verschwindet. Bei UniFi gibt es dafür zum Beispiel für den U7 Pro Wall einen überstreichbaren Einbaurahmen und eine überstreichbare Abdeckung.
Zwei Dinge sind dabei wichtig:
- Auf 6 GHz achten: Nicht jeder Wand-Access-Point unterstützt 6 GHz. Manche Modelle funken nur auf 2,4 und 5 GHz. Für 6 GHz braucht es ein Gerät mit drei Frequenzbändern.
- Nur die vorgesehenen Teile streichen: Überstrichen werden die dafür gemachten Abdeckungen und Rahmen, nicht das Gerät selbst.
Was in den Rohbau gehört
- Netzwerkkabel zu jeder Access-Point-Position, sternförmig vom Netzwerkschrank aus. Über dasselbe Kabel bekommt der Access Point auch seinen Strom (PoE).
- Einbaudose an der richtigen Stelle: gut sichtbar im Raum, nicht hinter Schränken, Regalen oder in Nischen.
- Netzwerkschrank mit ausreichend Platz und einem Switch, der genug Strom für alle Access Points liefert.
- WLAN-Planung anhand der Grundrisse: Sie zeigt, wo welcher Access Point sitzen sollte, und berücksichtigt Wände, Decken und Verglasung.
Das Kabel ist der entscheidende Punkt: Ein Access Point lässt sich später leicht tauschen, ein fehlendes Kabel in der Wand dagegen nur mit großem Aufwand nachziehen. Mehr zum vernetzten Haus mit Zutrittskontrolle, Kameras und WLAN lesen Sie im Artikel Zutritt, Videoüberwachung und WLAN mit UniFi.
Worauf wir in der Beratung achten
Wir prüfen, ob die Netzwerkplanung zum Haus passt: Anzahl und Positionen der Access Points, Kabelwege, Technikraum und die Abstimmung mit Möblierung, Verglasung und Gebäudeautomation. So ist das schnelle WLAN von Anfang an eingeplant und nicht ein späteres Ärgernis.
Planungscheckliste für BauherrenWas vor der Unterschrift geklärt sein muss. PDF, 2 SeitenHäufige Fragen
Brauche ich wirklich in jedem Raum einen Access Point?
Wenn Sie 6-GHz-WLAN im ganzen Haus nutzen möchten, ja, zumindest in allen häufig genutzten Räumen. Das 6-GHz-Signal ist hinter der nächsten Wand meist schon schwach. Flure und Nebenräume werden über 2,4 und 5 GHz mitversorgt.
Was ist der Unterschied zwischen WiFi 6E und WiFi 7?
Beide nutzen das 6-GHz-Band. WiFi 7 ist die neuere Generation und kann mehrere Frequenzbänder gleichzeitig nutzen, was Geschwindigkeit und Stabilität weiter verbessert.
Funktionieren ältere Geräte weiterhin?
Ja. Moderne Access Points funken gleichzeitig auf 2,4, 5 und 6 GHz. Geräte ohne 6-GHz-Unterstützung verbinden sich einfach über 2,4 oder 5 GHz.
Kann ich 6 GHz auch auf der Terrasse nutzen?
Für fest installierte Access Points ist 6 GHz in Europa nur in Innenräumen zugelassen. Auf Terrasse und im Garten sorgen Außen-Access-Points mit 5 GHz für schnelles WLAN.
Kann man Access Points überstreichen?
Für einige Wand-Access-Points gibt es Abdeckungen und Einbaurahmen, die ausdrücklich zum Überstreichen gemacht sind. Gestrichen werden nur diese Teile, nicht das Gerät selbst.
WLAN-Planung prüfen lassen?
Wir prüfen Positionen, Kabelwege und Technikraum, bevor die Wände geschlossen werden: persönlich in Bielefeld, bundesweit per Microsoft Teams.