Kostengruppen nach DIN 276: Was ist was?
„Die Kostenberechnung nach DIN 276 liegt Ihnen bei.“ Viele Bauherren lesen diesen Satz und sehen danach eine Tabelle voller dreistelliger Nummern. Dabei ist das System dahinter einfach, und wer es versteht, erkennt Lücken in Budgets und Angeboten auf einen Blick.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DIN 276 teilt alle Kosten eines Bauvorhabens in acht Kostengruppen, von 100 (Grundstück) bis 800 (Finanzierung).
- Was meist als „Baukosten“ bezeichnet wird, sind nur die Kostengruppen 300 und 400. Die Gesamtkosten liegen deutlich darüber.
- Die Kosten werden im Lauf der Planung in sechs Stufen immer genauer ermittelt. Jede Stufe ist eine Gelegenheit, das Budget zu prüfen.
Wozu gibt es die DIN 276?
Die DIN 276 „Kosten im Bauwesen“ sorgt dafür, dass alle Beteiligten über dieselben Kosten sprechen. Architekten, Fachplaner, Banken und Behörden ordnen jede Ausgabe derselben Kostengruppe zu. So lassen sich Budgets, Planungsstände und Angebote vergleichen, und es fällt auf, wenn etwas fehlt.
Die Gliederung hat drei Ebenen: Die Hunderterstellen (zum Beispiel 300) bilden die acht Hauptgruppen, die Zehnerstellen (zum Beispiel 330 für Außenwände) und die Einerstellen unterteilen sie weiter. Je weiter die Planung fortschreitet, desto tiefer wird gegliedert.
Die acht Kostengruppen im Überblick
| KG | Bezeichnung | Was gehört dazu, zum Beispiel | Wer plant oder beziffert |
|---|---|---|---|
| 100 | Grundstück | Kaufpreis, Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler | Bauherr, Notar |
| 200 | Vorbereitende Maßnahmen | Abbruch, Rodung, Geländeherrichtung, Erschließung und Anschlussbeiträge | Architekt, Gemeinde, Versorger |
| 300 | Bauwerk: Baukonstruktionen | Baugrube, Gründung, Wände, Decken, Dach, Fenster, Putz, Estrich, Fliesen, Türen | Architekt, Tragwerksplaner |
| 400 | Bauwerk: Technische Anlagen | Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektro, Gebäudeautomation, Aufzug | Fachplaner Haustechnik |
| 500 | Außenanlagen und Freiflächen | Terrasse, Zufahrt, Wege, Garten, Einfriedung, Beleuchtung außen | Architekt oder Landschaftsarchitekt |
| 600 | Ausstattung und Kunstwerke | Möbel, Leuchten, Vorhänge, je nach Art des Einbaus auch die Küche | Bauherr, Innenarchitekt |
| 700 | Baunebenkosten | Honorare, Gutachten, Genehmigungsgebühren, Versicherungen | Planer, Behörden |
| 800 | Finanzierung | Bauzeitzinsen, Bereitstellungszinsen, Finanzierungsgebühren | Bank |
Die Beispiele sind eine vereinfachte Zuordnung für Bauherren. Die Norm selbst gliedert jede Kostengruppe in zahlreiche Untergruppen.
„Baukosten“ sind nicht die Gesamtkosten
Wenn von Baukosten oder einem Quadratmeterpreis die Rede ist, sind fast immer nur die Kostengruppen 300 und 400 gemeint, also das Haus selbst. Fachleute sprechen von den Bauwerkskosten. Auch Angebote von Generalunternehmern und Bauträgern decken meist im Kern genau diese beiden Gruppen ab.
Für den Bauherrn zählen aber die Gesamtkosten aller acht Gruppen. Grundstück, Erschließung, Außenanlagen, Ausstattung, Nebenkosten und Finanzierung kommen hinzu und erreichen bei hochwertigen Häusern schnell einen erheblichen Anteil. Wie groß allein die Nebenkosten werden, zeigt unser Artikel zu den Baunebenkosten.
Die sechs Stufen der Kostenermittlung
Die DIN 276 legt fest, wann die Kosten wie genau ermittelt werden. Mit jeder Stufe wird die Grundlage genauer und die Gliederung feiner. Die Stufen hängen eng mit den Leistungsphasen der HOAI zusammen.
| Stufe | Zeitpunkt | Grundlage | Gliederung |
|---|---|---|---|
| Kostenrahmen | Bedarfsplanung, Leistungsphase 1 | Raumprogramm, Wünsche, Budget | 8 Hauptgruppen |
| Kostenschätzung | Vorplanung, Leistungsphase 2 | Erste Entwürfe | Zweite Ebene |
| Kostenberechnung | Entwurfsplanung, Leistungsphase 3 | Ausgearbeiteter Entwurf mit Fachplanung | Dritte Ebene |
| Kostenvoranschlag | Ausführungsplanung und Vergabevorbereitung, Leistungsphasen 5 und 6 | Leistungsverzeichnisse mit geschätzten Preisen | Nach Vergabeeinheiten |
| Kostenanschlag | Vergabe, Leistungsphase 7 | Angebote und Aufträge | Nach Vergabeeinheiten |
| Kostenfeststellung | Nach Fertigstellung, Leistungsphase 8 | Schlussrechnungen | Dritte Ebene |
Der Kostenvoranschlag ist mit der Ausgabe 2018 neu hinzugekommen. Er schließt die Lücke zwischen Entwurf und Vergabe: Die Leistungsverzeichnisse sind vollständig, die Preise aber noch geschätzt.
Was das für Sie als Bauherr bedeutet
- Vor dem Bauantrag eine Kostenberechnung verlangen. Sie ist die letzte Stufe, bevor das Projekt bei der Behörde liegt. Danach werden grundlegende Änderungen teuer.
- Die Stufen miteinander vergleichen. Weichen Kostenschätzung und Kostenberechnung stark voneinander ab, sollte Ihnen jemand erklären, woran das liegt.
- Angebote nach Kostengruppen prüfen. Lassen Sie sich bestätigen, welche Gruppen ein Angebot enthält und welche nicht. Was fehlt, zahlen Sie zusätzlich.
- Kosten fortschreiben lassen. Eine einmal erstellte Kostenberechnung ist eine Momentaufnahme. Jede Planungsänderung sollte sie aktualisieren.
Worauf wir in der Beratung achten
Wenn wir Kostenermittlungen prüfen, sehen wir uns alle acht Kostengruppen an, nicht nur die Bauwerkskosten. Wir vergleichen die Stufen untereinander, prüfen, ob die Mengen zum Entwurf passen, und zeigen, welche Gruppen in einem Angebot fehlen. So wissen Sie, ob Ihr Budget das ganze Vorhaben trägt, bevor Sie sich vertraglich binden.
Planungscheckliste für BauherrenWas vor der Unterschrift geklärt sein muss. PDF, 2 SeitenHäufige Fragen
Was sind die Kostengruppen 300 und 400?
Die Kostengruppe 300 umfasst die Baukonstruktion des Gebäudes, also Gründung, Wände, Decken, Dach und Innenausbau. Die Kostengruppe 400 umfasst die technischen Anlagen wie Heizung, Sanitär, Lüftung und Elektro. Zusammen bilden sie die Bauwerkskosten, die oft einfach als Baukosten bezeichnet werden.
Was gehört zur Kostengruppe 700?
Die Kostengruppe 700 enthält die Baunebenkosten: Honorare für Architekten und Fachplaner, Gutachten, Genehmigungsgebühren, Versicherungen und weitere Kosten, die nicht unmittelbar in das Bauwerk eingehen. Die Finanzierungskosten stehen seit 2018 in einer eigenen Kostengruppe 800.
Welche Kostengruppen enthält ein Angebot vom Generalunternehmer?
Meist die Kostengruppen 300 und 400, oft ergänzt um einen Teil der Planung. Grundstück, Erschließung, Außenanlagen, Ausstattung und viele Nebenkosten fehlen häufig. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welche Kostengruppen und Leistungen enthalten sind.
Welche Fassung der DIN 276 gilt?
Aktuell ist die Ausgabe vom Dezember 2018. Sie führte die Kostengruppe 800 Finanzierung und die Stufe Kostenvoranschlag neu ein. Die Norm selbst ist kostenpflichtig über den DIN-Verlag erhältlich.
Kostenermittlung prüfen lassen?
Wir sehen uns Ihre Kostenschätzung oder Kostenberechnung unabhängig an: persönlich in Bielefeld, bundesweit per Microsoft Teams.